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zurück zur Übersicht Interviews hier das ungekürzte Interview von Bernd Sievers/Eclipsed mit Christian Jäger/Space Debris v. Juni/2011 für den Arikel im Eclipsed: Eclipsed: Welche Gefühle kamen in Dir/Euch hoch, als Du/Ihr das Archiv durchwühlt habt? Christian:Tolle, bildhafte Erinnerungen an schöne, herzliche Abende mit den Musikern! Eclipsed: liegt noch mehr im Archiv? Wenn ja, was? Wird es vielleicht auch mal veröffentlicht? Christian: Ja, noch ca. 1 CD-Länge Material. Vielleicht erscheint dieses Jahr noch im Herbst aber mal eine EP, ist noch nicht klar entschieden, mal sehn. Eclipsed:Betrachtest Du die beiden Archiv-Alben als "richtige reguläre" Alben? Christian: 100% ! Warum auch nicht, schließlich sind es keine vormals aussortierten sondern nur später entdeckte Stücke, die den gleichen Maßstäben entsprechen wie die Stücke der alten Platten. Eclipsed: Sind die beiden Alben vielleicht eine Art Vergangenheitsbewältigung? Christian: Nein gar nicht! Ich hab nur das gemacht, was ich immer mache: Aufnahmen sichten, bearbeiten und veröffentlichen. Diesmal nur halt sehr verspätet. 10 Jahre Space Debris. Was ist Dir besonders in Erinnerung geblieben? Worauf bist Du stolz? Worauf weniger? Gibt es irgendwelche "netten" Anekdoten? Christian: Anekdoten? Ja witzig war z.B. der Gig in Halle, wo wir den Club eigentlich gefüllt hatten mit über 100 ausschließlich SD-Fans und dachten, daß nach dem Gig es schön sein würde, mit den Leuten einen zu trinken und zu reden. Doch schnell wurde nach der Zugabe die Bühne geräumt ein DJ und eine erneute Kasse aufgebaut und innerhalb von 15 Minuten hatte das Publikum sich ausgetauscht und nur noch aufgedackelte Teenies alla RTL tanzten zu Discomusic und wir unterhielten uns plötzlich schreiend mit ein paar dagebliebenen, besonders treuen SD-Fans! Unglaublich! Eine weitere "lustige" Sache war, daß Tom und ich beinahe den Herzberg-Gig, der ja vom WDR-Team gefilmt wurde, verpaßt hätten und durch 3 größere Autostaus gerade so 5 Minuten vor dem Gig erst an der Bühne ankamen, dafür ist es ja gut gelaufen. Oder auf der Zappanale, da mußten wir lachen weil die dort ein rießiges Arsenal von verschiedenen Backstagekarten mit Hierachien unterhielten und unsere Bandfotographin (s. Elephant Moon Cover, Live Ghost-Cover) trotz Vorzeigen ihres regulärem Festival-Fotoausweises zunächst nicht auf die Bühne gelassen wurde, denn sie hatte nur eine normale, kleine Kamera umhängen, das war tatsächlich der Grund! Ein anderer Freund von uns, durfte hingegen ganz ohne Ausweis aber Dank seines Riesenobjektivs auf die Bühne! Solche Sache passieren mir eigentlich auch dauernd, mit meiner unkonventionellen Aufnahmetechnik, man müßte eigentlich ständig gegen seine Natur wichtig tun, um ernstgenommen zu werden, das ist schon eigenartig im ja so coolen Musikgeschäft... Eclipsed: Hat sich Eure musikalische Ausrichtung gegenüber früher verschoben? Oder die Arbeitsweise? Christian: nein, nicht wesentlich, aber die neuen Musiker sind natürlich etwas anders als die Ur-Besetzung als Trio, das hat Vor- und Nachteile, und ist Geschmacksache, mit der alten ist wesentlich mehr Unerwartetes passiert, Stücke wie "Black Wiking", "La Mano De Dios" oder auf der neuen nun "...Starglow Restaurant" wären mit ihren enormen Spannungsbögen und phantasievollen Wendungen in diesen Längen nicht möglich gewesen mit der aktuellen Besetzung. Aber ohne Peter Brettels Bassspiel wäre unsere stärkste Platte "Elephant Moon" mit meinem Lieblingsstück "Free Spirits" auch nicht möglich gewesen. Ich bin jedem beteiligten Musiker dankbar! Eclipsed: Ihr hattet vor einigen Jahren eine doch erhebliche personelle Umstellung durch den Abgang von Tom Kunkel. Wie hat sich das musikalisch ausgewirkt? Christian: Zunächst gut, weil wir unheimlich profitierten von dem Einstieg von Winnie und dessen guten neuen Ideen. Die ersten 5 Gigs waren exquisit, erstklassig! Die Live Ghosts sehe ich als supergute Platte an, doch bald danach kam es Tommy Gorny und mir besonders live zunehmend auch etwas festgefahren und emotional nicht mehr so tief vor. Eclipsed: Die Gründe für Tom Kunkels Ausstieg sind mir so nicht präsent. Ist das ein Tabu-Thema, das vielleicht schmerzt? Oder hat das einfachere Gründe? Christian: Die künstlerisch-menschliche Verbindung in der Urbesetzung (Kunkel/Gorny/Jäger) war sehr bedeutend. Das war/ist ein Geschenk, daß man nicht planen kann und daß selten passiert. Tom Kunkel hat seit 2008 keine Orgel mehr gespielt, sondern viel Gitarre. Mit ihm treffe ich mich fast wöchentlich zum philosophieren und Musik anhören, er mußte leider aus privaten Gründen, die ich erst vor kurzem verstehen konnte, aussteigen, aber ich denke, wir werden sicher wieder zusammen spielen irgendwann. Bei dem was wir machen braucht man zum wahren Musizieren eine gelebte freundschaftlichen Beziehung, sowohl musikalisch, als auch über das Bandleben hinaus. Sonst ist das ja eine Ansammlung von Angestellten und ein Betriebsausflug, wenn man auf Tour geht. Eclipsed: Ihr beschreibt Euch schon mal als "Spontan-Komposition". Was genau verstehst Du darunter? Wo liegt der Unterschied zum Jam? Christian: Ein Jam ist wenn z.B. BAP "Like a Rolling Stone" spielt am Ende des Abends und dazu die Musiker der Vorbands auf die Bühne holt und jeder sein Solo machen darf, jeder weiß, was für eine Akkordfolge gespielt werden muß und Henry Maske als Ehrengast darf dann vielleicht sogar den Schellenkranz wackeln ;-) Eine "Spontan-Komposition" oder eine "improvisierte Komposition" ist was anderes, Du weißt nicht in welche Musik sie führt, wie sie sich ändert, kann in Bezug auf Tempo, Sound, Takt, Harmonien ständig wechseln und eigenständige neue Idee hervorbringen, wobei nicht dauernd soliert werden muß, sondern alle an dem sozusagen musikalischen Meditationsprozeß teilnehmen und sensibel den anderen Musikern zuhören und nicht einfach zu einem Riff dudeln, sondern Wagnisse eingehn. Zusammen ein Feuer anzünden ohne Streichhölzer. Eben ein hochkonzentrierter, schöpferischer Prozeß und kein Stimmungsmacher-Jam wo man sich vorher die 2 nötigen Akkorde klarmacht. Deshalb reg ich mich immer auf, wenn wir als Jamrock oder (noch schlimmer, da dudelt es noch mehr) gar als Jazzrock bezeichnet werden, wenn auch manche wenige unserer Songs damit verwandt erscheinen, weil wir manchmal zugegebenderweise auch mal kurz dudeln. Ich denke wir machen uns nicht wichtig, wenn ich behaupte, daß wir heimlich und unbemerkt der Rockgeschichte ein sogar neues, klitzekleines Mosaiksteinchen hinzugefügt haben, indem wir frei improvisierten, experimentellen Klassik-Rock produzieren, was es so vor uns nicht gab. Selbst Purple und Zep haben bei Ihren uns verwandten langen Instrumentalteilen nicht wirklich improvisiert, denn alle Themen waren vorher eingeprobt, wenn das Ergebnis auch genial war, es war bei diesen Bands nicht wirklich frei komponiert. Die Entstehung eines Songs wie z.B. "Second Sight" von der Kraut-Lok ist eine völlig andere Arbeitsweise, und zwar eine mit völlig anderen Schwierigkeiten, die vor uns im Rock noch niemand so ausgelotet hat, da sind zumindest Tom und ich sich einig. Eclipsed: Auch wenn gerade zwei Alben draußen sind. Was liegt demnächst bei Euch an? Konzerte? Neue Aufnahmen? Christian: nein, nichts neues geplant, außer vielleicht die Vol. 3 oder eine EP, wie gesagt. Da wir die gesamte Label- und Vertriebsarbeit selbst machen, müssen jetzt erstmal die neuen Babys (Archive CDs Vol. 1+2) betreut und an den Mann gebracht werden. Es sind zur Zeit meine absoluten Lieblingsalben! Was als nächstes passiert liegt sozusagen "in den Sternen" aber es geht auf jeden Fall weiter! (gekürzt und kommentiert erschienen in Eclipsed Rockmagazin 6/2011 hier die originale Printversion: "original Printversion im Eclipsed" zurück zur Übersicht Interviews ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
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